Die Schlange
Mitten in der Münchner Fussgängerzone, quer zum Strom, standen Leute. Bei genauerem Hinsehen standen sie an, gesittet, in gebührendem Abstand. Die Schlange war am gegenüberliegenden Gebäude sogar noch abgeknickt, weil sie zu lang war. Doch was verbarg sich da, wo die vielen Leute hin wollten? Ich hatte Zeit und wollte nachschauen. Gesagt, getan: Ich stellte mich in die Schlange, vertrieb mir die Zeit mit dem Studium der verschiedenen Leute, ergötzte mich ab dem kleinen Mädchen, das so gar keine Lust…
Nase frei
Unterdessen regelmässig jeden Morgen sitzt in der S26 eine Frau im Dreierabteil und schläft. Zumindest döst sie vor sich hin. Nichts Verwerfliches: Jeder soll die Fahrt nach eigenem Gutdünken verbringen. Warum also nicht schlafend? Stossend ist jedoch, dass die Dame jeweils die Maske nicht über die Nase zu ziehen vermag. Sie muss wohl auch zu jenen Menschen gebören, die irgendwie den esoterischen Glauben haben, die durch die Nase geatmete Luft enthalte weniger Aerosole als jene, die sie durch den Mund…
Der Stubentiger
Als ich letzten Sonntag in Bülach unterwegs war, sass auf einem kleinen Rasenstück unweit der Strasse eine schwarze Katze und frass unverkennbar seelenruhig ihr Mittagsmahl. Weil Katzen sich bekanntlich nicht vegetarisch ernähren, ist es fast logisch, dass es sich dabei um eine Maus handelte. Als ich eine Stunde später zurückkam, war die Maus mit Haut und Haar verschlungen, und die Katze hielt ein Verdauungsschläfchen auf einem Treppenabsatz in der Nähe. Dabei fühlte sie sich jedoch massiv gestört durch meine Anwesenheit…
Von Paketen und Poststellen
Die Post bringt zu uns in die Schule Dutzende Pakete, grössere und kleinere, in allen Formen. Es ist umglaublich, was da an Lehrmitteln, Material und vor allem auch an Toner-Kartuschen zusammenkommt. Zum Glück sind gerade die Toner-Kartuschen angeschrieben, auf dass klar sei, wohin sie gehören. Leider hatte ich letzthin eine falsche Bestellung gemacht und musste ein grosses Paket zurückbringen. Dies war jedoch ein schwierigeres Unterfangen: Die Rämi-Post ist seit einiger Zeit geschlossen und die Agentur im Oberdorf ein ziemliches Stück…
Der Geisterzug
Als ich am Montag nach 21 Uhr so am Bahnhof stand und wartete, dass der Regen nachliesse, konnte ich ein wenig meinen Gedanken nachhängen, den Wetterradar studieren und den Regen beobachten. Plötzlich jedoch zog etwas seine Aufmerksamkeit auf mich: Aus dem strömenden Regen tauchte ein Thurbo auf. Der Zug war vollkommen dunkel, und keine Passagiere sassen darin. Dies und der starke Regen, der den Lärm dämpfte, gab der ganzen Szenerie einen beinahe gespenstischen Touch. Woher der Zug wohl gekommen war?




