Personen im Zug: Der Schläfer
Praktisch jeden Morgen sitzt er auf dem selben Platz bei den Sitzen, die quer zur Fahrtrichtung angeordnet sind: Ein junger Mann, wohl um die 20 Jahre alt. Den Kopf an die Säule neben der Tür gelehnt, die Dächlikappe tief ins Gesicht gezogen, schläft er den Schlaf der Gerechten. Woher, wohin: Keine Ahnung. Es soll ja durchaus auch dümmere Arten geben, wie man den Schul- oder Arbeitsweg gestalten kann. Bequem kann das jedoch kaum sein, die Beine so abgewinkelt, aber vor…
Nach dem Gewitter
Wie stark es letzte Nacht geregnet hat, weiss ich nicht. Ich habe es verschlafen. Die Fenster waren jedoch durch die heruntergelassenen und schräg gestellten Läden hindurch nass geworden. Andererseits war die Strecke zum Bahnhof zu einem grossen Teil trocken. Ich nehme jedoch an, dass der Boden noch genügend warm gewesen war, um die Strasse abtrocknen zu lassen. Abgekühlt hat es markant: Es war auf meinem Weg zum Bahnhof gefühlte zehn Grad kühler als gestern, aber immer noch angenehm. Die Luft…
Eine Art „Schulreise“
Gestern nach dem Mittag gab es für meine Frau umd mich mehrere Möglichkeiten, den Rest des Tages zu gestalten: Wir hätten zum Beispiel heim fahren und den – momentan überhitzten – Balkon geniessen können. Ins Schwimmbad zu gehen, wäre auch eine Option gewesen – zusammen mit hunderttausend anderen, die wohl die schattigen Plätze am Morgen besetzt besetzt hatten. Auf einen Berg fahren hätten wir ebenfalls können und wären wohl auch da nicht allein gewesen. Stattdessen zog es uns in Richtung…
Keine Lok
Zürich, gestern Nachmittag. IC3 16:07 Richtung Chur. Meine Tochter war auf dem Weg nach Landquart. Irgendwann war durch den Lautsprecher die Stimme des Kondukteurs zu hören: „Die Abfahrt verzögert sich um einige Minuten mangels Lokomotive“. Ein nicht ganz unwesentliches Detail bei einem Zug. Laut einer weiteren Nachricht im Familien-Chat, in dem sie uns auf dem Laufenden hielt, funktionierte auch die Lüftung nicht. Auch das bei Aussentemperaturen von gegen 40 Grad Celsius nicht ganz unwesentlich. Nach einer Weile, der Zug stand…
Billettkontrolle
Grüezi mitenand, Billettkontrolle. Dörfi ihres Billett gseh?“ So oder ähnlich tönt es immer wieder mal durch Zug, das Postauto, den Bus oder das Tram. Entweder, die Kontrolleure sind schon drin, oder sie steigen ein, allenfalls auch erst unterwegs. Teils sind sie offen mit gelben Leuchtwesten mit der Aufschrift „Kontrolle“ gekennzeichnet, teils sind sie uniformiert. Einige treten jedoch in Zivil auf, in der Meinung, sie blieben dann inkognito. Wobei: Wenn vier Männer zwischen 30 und 60 Jahren in einem Postauto stehen…
Umgedrehte Züge
Beim Thurbo ist die 1. Klasse an einem Ende des Zuges angesiedelt – je nach Betrachtungsweise ganz vorne oder ganz hinten. Wobei: Sobald der Zug fährt, ist logischerweise „vorne“ und „hinten“ eindeutig geklärt. Auf jener Seite des Zuges hat es denn auch definitiv weniger Platz für uns zweitklassige Passagiere. Wenn also jeweils klar wäre, dass der Zug zum Beispiel immer so verkehren würde, dass der 2.-Klasse-Teil in Richtung Winterthur zeigt – morgens also vorne liegt -, könnten wir Pendler uns…
Bed of Roses
Wie ein Bett aus Rosen aussehen könnte, über das Jon Bon Jovi in seinem Lied mit dem ansonsten teilweise etwas zwiespältigen Text singt, habe ich zuerst am Samstag und dann gestern nochmals gesehen. In Bischofszell findet die Rosen- und Kulturwoche statt, mit Konzerten und Handwerkskunst – und vor allem mit Rosen in allen Variationen. Neben Betten hat es auch Schwäne und andere künstlerisch hergerichtete Arrangements, einen Rosengarten mit Blüten in allen erdenklichen Farben sowie Buketts, Töpfe und Bäume, die man…
Im falschen Zug
Wenn man am Bahnhof in einen Zug einsteigt, kann man für gewöhnlich darauf vertrauen, dass er an den angezeigten Ort fährt. Am Freitag jedoch wurde dieses Vertrauen ein kleines bisschen strapaziert. Ich war im Stadelhofen zusammen mit einigen wenigen Leuten in die S23 Richtung Romanshorn gestiegen. Diese eignet sich als Alternative zur S12, wenn man sowieso in Winterthur einen Zug überspringen will: Sie kommt drei Minuten später an, und man kann fast liegen, so viel Platz hat man. Der Zug…
„Sünnele“ am Bahnhof
Gestern Abend gewitterte es. Sogar Hagelgefahr war gemeldet worden. Auch heute soll es regnen. Umso schöner, wenn man morgens erwacht und die Sonne scheint. Die Welt sieht bei Sonnenschein halt ganz anders aus als bei Regen. Meinen Weg zum Bahnhof erreicht die Sonne jeweils hingegen nicht, da er hinter einem Hügel hindurch führt. Bei meiner Ankunft war die Sonne gerade so hinter dem Schauenberg aufgegangen, dass sie den Bahnhof zu erhellen vermochte. Es war herrlich anzusehen, wie die wartenden Passagieere…
Das Kickboard am Bahnhof
Seit mindestens einem halben Jahr ist es da. Aufgehängt. Am Veloständer am Bahnhof. Gesichert mit einem billigen Veloschloss. Ursprünglich war es wohl für den Weg von und nach zu Hause gebraucht worden. Diese Zeiten sind jedoch vorbei; jetzt wartet es vergebens: Das blaue Kickboard an unserem Bahnhof. Von seiner Warte aus sieht es viel und könnte es – so es denn sprechen könnte – wohl manche Geschichte erzählen. Nun jedoch rostet es still vor sich hin und wird langsam den…









