Bahnersatz
Noch nie, seit ich im Tösstal wohne, habe ich einen Bahnersatz erlebt. Diesen braucht es, wenn irgendwo auf der Strecke ein Zug liegenbleibt. Weil fast das ganze Tösstal bis auf einen Teil der Bahnhöfe einspurig ist, müssen in einem solchen Fall Busse eingesetzt werden. Auch diesmal bin ich mit einem blauen Auge davongekommen: Normalerweise bin ich eine halbe Stunde früher unterwegs als heute. Deshalb hätte ich entweder Bus fahren oder auf den nächsten Zug warten müssen. Welche der Alternativen sich…
Kleine Haufen
Es war in der Morgendämmerung nicht leicht zu erkennen, worum es sich handelte: Hatte sich jemand auf das Trottoir erbrochen? Es musste ja nicht zwingend ein Mensch sein; auch Katzen erbrechen sich manchmal. Beim zweiten oder spätestens beim dritten Haufen wurde klar, dass es sich nicht darum handeln konnte. Niemand erbricht regelmässig alle 20 bis 30 Meter. Die Konsistenz stimmte auch nicht wirklich ganz. Beim genauen Hinsehen wurde klar, dass es sich um Sägemehl oder Hobelspäne handeln musste. Der Sinn…
Desperados
Seit mindestens drei Wochen steht sie da, in der Ecke platziert, und wartet, dass jemand sie mitnimmt und entsorgt. Irgendjemand muss Bier trinkend zwischen Rämismühle und Turbenthal unterwegs gewesen sein und die Büchse in der Unterführung leer getrunken haben. Wer nur einmal diesen Weg einschlägt, dem wird die Dose nicht auffallen. Wer jedoch wie ich täglich diese Strecke nimmt, wenn er zum Zug geht, der fragt sich jedesmal: Ist die Büchse wohl noch da, oder hat jemand sie entsorgt? Wenn…
Der Stubentiger
Als ich letzten Sonntag in Bülach unterwegs war, sass auf einem kleinen Rasenstück unweit der Strasse eine schwarze Katze und frass unverkennbar seelenruhig ihr Mittagsmahl. Weil Katzen sich bekanntlich nicht vegetarisch ernähren, ist es fast logisch, dass es sich dabei um eine Maus handelte. Als ich eine Stunde später zurückkam, war die Maus mit Haut und Haar verschlungen, und die Katze hielt ein Verdauungsschläfchen auf einem Treppenabsatz in der Nähe. Dabei fühlte sie sich jedoch massiv gestört durch meine Anwesenheit…
Kopfwelten
Im Technorama findet momentan eine Sonderausstellung statt. Es würde sich wohl lohnen, sie zu besuchen. Das Thema interessiert mich jedenfalls stark: Die Leistung des Gehirns beim Lesen, kurz zusammengefasst. Ohne Weiteres konnte ich den Titel auf dem Plakat , das für die Ausstellung wirbt, und den darunter gedruckten Slogan lesen. Erst beim zweiten Hinschauen merkte ich, dass gar nicht wirklich das dort stand, was ich gelesen hatte und dass mein Hirn die Buchstaben automatisch „umgedreht“ hatte. Erstaunlich, zu was das…
Geheimschrift
Irgendetwas muss das geheissen haben, was an der Front meines Thurbo heute Morgen oberhalb der Windschutzscheibe stand: Dort, wo normalerweise die Aufschrift „S26 Winterthur“ steht, leuchtete fast alles gelb. Nur einige wenige Lämpchen flackerten wild. Was das wohl zu bedeuten hatte? Das Naheliegendste war definitiv, dass die Aufschrift durch Agenten – oder von mir aus auch durch Gauner – übernommen und zur Absetzung von Botschaften in Geheimschrift umgenutzt worden war. Logisch. Na gut, okay, vielleicht war die Anzeige auch ganz…
Der Papiersack
Mein Rucksack überquoll, mit dem üblichen Inhalt und all dem, was ich letzten Freitagabend zusätzlich dabei hatte: Regenjacke und erhaltene Geschenke. Der Rucksack hätte wohl, wenn er nicht einigermassen schön in Form genäht wäre, ausgesehen wie eine Kugel. Nun brauchte ich vom Coop noch zwei recht kleine Dinge. An den meisten Tagen hätten diese schon noch irgendwie Platz gefunden. Jetzt jedoch war dies ein Ding der Unmöglichkeit. Leider hatte ich es verpasst, an der Kasse gleich auch einen Papiersack mit…
Sushi
Vor lauter Schreck – so kam es mir jedenfalls vor – liess die Frau das Stäbchen fallen. Vor Schreck darüber, dass sich jemand Zweites in ihr Viererabteil setzte und sie beim Sushi-Essen störte? Oder war sie einfach unachtsam gewesen? So genau kann ich das nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass ihr ein Essstäbchen zu Boden fiel, als ich mich zu ihr setzte. Nun ja: Sushi essen mit einem einzelnen Stäbchen ist nicht so einfach. Es war jedoch fast lustig anzusehen,…
Total ausgebrannt
Wie irr muss man sein? Wer zündet einen Abfallkübel an oder sprengt ihn gar? Mein Verständnis dafür ist gleich null. Das ist purer Vandalismus – wohl geleitet durch Alkohol, Drogen und negative Gruppendynamik. Beim Anblick eines solchermassen zerstörten Kübels wie dieses Exemplar oberhalb des Bahnhofs Stadelhofen kann einem wirklich der Gedanke kommen, wie tief man wohl noch sinken kann. Wobei – wenigstens hat hier keine Person Schaden genommen. Und das Wichtigste ist: Es ist der kleinste Teil der Leute, der…









